Scheu vor Betrieblichem Gesundheitsmanagement

Ein Ergebnis des diesjährigen Dekra-Arbeitssicherheitsbarometers ist, dass nur ein Viertel der Unternehmer bei der vorgeschrieben Gefährdungsbeurteilung besonderes Augenmerk auf psychische Belastungen legt. Siehe „Psychische Belastungen ausgeblendet“ (News vom 29.02.16).

Als eine mögliche Lösung für die Unternehmen schlägt Dekra die Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) vor. Das Maßnahmenpaket eines BGM betrifft alle Bereiche des Unternehmens und erfordert eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit:

  • Arbeits- und Gesundheitsschutz (z. B. Arbeitsmedizinische Vorsorge),
  • Gesundheitsförderung (z. B. Stressmanagement, Bewegung)
  • Management- und Organisationsprozesse (z. B. Führungskräftetraining).

 

„Scheu vor dem Change-Prozess“

Nach den Gründen, warum sich das BGM in der Praxis nur langsam durchsetzt, fragte ergonomie-app.de Dr. Karin Müller. Sie ist Fachbereichsleiterin Mensch und Gesundheit bei DEKRA.

Frau Müller, gibt es Vorbehalte gegenüber BGM?

In der Tat ergreift bisher nur ein relativ geringer Teil von Unternehmen Maßnahmen in dieser Richtung. Ein Grund dafür mag die Scheu der Unternehmensführungen vor dem nötigen Change-Prozess sein. Denn durch die Analyseschritte, zum Beispiel Mitarbeiterbefragungen, werden Schwachstellen und Handlungsfelder aufgezeigt, für die dann reale Maßnahmen eingeleitet werden müssen, die auch tiefgreifend sein können.

Wie beurteilen Sie den Aufwand, um ein BGM umzusetzen?

Der finanzielle, zeitliche und organisatorische Aufwand ist nicht zu vernachlässigen. Er rechnet sich aber in der Regel, wenn man ihn als Investition begreift, die sich mittel- und langfristig in einer höheren Zufriedenheit der Mitarbeiter und damit auch der Produktivität niederschlägt. Vielleicht kann das neue Präventionsgesetz, das voraussichtlich zusätzliche Mittel für Gesundheitsförderung in Aussicht stellt, ein Anstoß für den Mittelstand sein.

Wo liegen die Knackpunkte bei der Umsetzung?

Das Thema BGM wird oft nicht als interdisziplinärer Prozess verstanden, der sich durch alle Abteilungen des Unternehmens zieht. Meist werden Einzelmaßnahmen, beispielsweise zur Gesundheitsförderung, ergriffen. Häufig wird zudem die große Bedeutung der Führungskräfte nicht gesehen. Studien haben gezeigt, wie groß der Einfluss einer guten Führung auf Gesundheit, Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter ist.

Keywords

DEKRA, Arbeitssicherheitsbarometer, Gefährdungsbeurteilung, Betriebliches Gesundheitsmanagement, BGM

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